Interview mit uns im Ruprecht / Heidelberger Studierenden-Zeitschrift

Liebe Leute, wir wurden kürzlich von der Heidelberger Studierenden-Zeitschrift ruprecht – Heidelberger Studierendenzeitung interviewt und fanden das Gespräch super angehm. Der daraus enstandene Artikel ist es aus welchen Gründen auch immer, seien es Platzknappheit und die damit einhergehende Notwendigkeit der recht verkürzten Wiedergabe von Themen und Aussagen, Missverständnisse oder what ever, so ausgefallen, dass wir uns dazu äußern und ein paar Dinge klarstellen und genauer erläutern wollen.
Wer den Artikel lesen will, findet ihn hier auf Seite 7: http://www.ruprecht.de/wp-content/uploads/2018/01/ru172.pdf
im Folgenden unsere Worte dazu:

PS.: Das Foto haben wir für den Artikel gemacht, hat es aber nicht in die Zeitung geschafft, dafür aber unser Logo(!) von daher teilen wir es nun so. 🙂

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„Ein Experiment in Achtsamkeit – die Bewegung PYURE will die Partykultur revolutionieren. Dafür jongliert sie Visionen zwischen Spiritualität und Unternehmergeist“ – so lautet die Überschrift eines Artikels über PYURE in der Januar Ausgabe der Ruprecht Zeitung.

Auch wenn wir den Verfasserinnen dieses Artikels sehr dankbar sind für das wirklich angenehme Gespräch, das sie mit uns geführt haben und die Zeit, die sie in das Interview mit uns und in das Schreiben des Artikels gesteckt haben, möchten wir unbedingt Stellung zu diesem Artikel beziehen, weil wir uns in dem endgültigen Artikel, der auf Grund seiner „Größe“ bzw. Kürze eben einiges aus unserem 90 minütigem Gespräch nur verkürzt und dadurch teilweise verzerrt wiedergeben kann, in (leider zu) vielen Punkten nicht angemessen widergespiegelt sehen.

Wir haben definitiv über „kultur-experimentelle“ Räume und Veranstaltungen gesprochen, aber Achtsamkeit ist kein Experiment, wie wir finden, sondern eine erstrebenswerte Tugend, Eigenschaft, Fähigkeit oder Bewusstseinszustand. Achtsamkeit spielt in unserer Arbeit eine zentrale Rolle, der Titel inklusive Untertitel bilden aber nun leider nicht ab, worum es uns im Kern geht.

“Kulturelle Experimente und achtsame Selbsterfahrung.
Das Kollektiv PYURE will die städtische Begegnungs-Kultur bereichern.
Dafür kombinieren sie Visionen und Ziele zwischen sozial-ökologischer Nachhaltigkeit, Gemeinschaftsbildung und Herzensunternehmertum.”, mit einer so oder so ähnlichen Betitelung des Artikels hätten wir uns deutlich besser wiedergegeben gefühlt.

Der Artikel beginnt mit einer Beschreibung der Golden Drum Cacao Ceremony, in der leider einige Fehlinformationen stecken und die die Veranstaltung selbst in – wie wir finden – ein eso-sektenähnliches Licht wirft. Leider wurde weder der PYURE Crew noch Marie, die gemeinsam mit Sema die Golden Drum gestaltet, besprochen, dass das Cacao Ritual in dem Artikel in diesem Maße auftaucht. Das stört uns ein wenig, weil es eben nicht repräsentativ für die Bandbreite unserer Veranstaltungen ist – und ferner auch nicht besonders gut zum Titel passt. Aber nun gut, so ist es nun geschehen… wer noch nicht bei dem Golden Drum Cacao Ritual und unseren anderen Events war, die*der ist hiermit herzlich eingeladen, sich selbst ein Bild zu machen.
Für uns ist das Ritual eine Zusammenkunft, ein Abend an dem gemeinsam gesungen wird und Verbundenheit, Meditation und bewusstes gemeinsames Einschwingen auf die Natur stattfindet. Eine Zusammenkunft bei der die in der Natur vorhandenen Elemente und Pflanzen, die wir tagtäglich zu uns nehmen, Wertschätzung erfahren und gefeiert werden. Ist das esoterisch bzw. spirituell? Die einen sagen ja, die anderen nein. Wir meinen: Ansichtssache und abhängig von der persönlichen Erfahrung und Intention.
Die Veranstaltung selbst ist eine Einladung, das für dich zu nehmen, was dir gut tut und dich stärkt und das zu lassen, was du nicht möchtest. Du kannst das Ritual als einen spirituellen Raum für dich nutzen, aber auch als einen Raum, in dem du singen und meditieren und andere Menschen auf Herzensebene begegnen kannst.
Dass das Geld in einem ‚fairgehandelten Jutebeutel‘ (was nicht der Fall war und auch nicht so aussehen sollte) gesammelt wird, soll nicht von der Tatsache ablenken, dass unsere Veranstaltungen jeglicher Art Geld kosten. So wollen wir das Golden Drum Cacao Ritual weder als eine krass spirituelle Versammlung verstanden wissen noch als eine Veranstaltung, bei der wir durch fairgehandelte Jutebeutel versuchen die Teilnahmegebühr von 30€ zu verhüllen.
Ganz im Gegenteil, versuchen wir möglichst transparent zu machen, wie die Teilnahmebeträge zustande kommen und dass wir damit auch einen Teil unseres Lebensunterhaltes verdienen wollen. Wir sind nun mal ein „professionelles Kollektiv“, so steht es nicht nur im Infotext unserer Facebook-Seite, sondern das machen wir auch immer wieder auf anderen Wegen klar, nicht zuletzt dadurch, dass wir gerade eine GbR gegründet haben.

Wegen Geld wollen wir übrigens trotzdem niemand ausschließen. Meist sind unsere Teilnahmebeiträge variabel, d.h. als Preisspanne/Flowpreis angegeben und wer es noch nicht weiß, der*die kann es nun hier schwarz-auf-weiß lesen: wenn selbst das untere Ende des Preisspanne mal zu viel sein sollte, dann wendet euch doch bitte einfach im Vorhinein des entsprechendes Events an uns, meistens gibt es Möglichkeiten uns zu helfen und auch wenn nicht, machen wir eben auch gerne mal `ne Ausnahme für Leute, bei denen der Geldbeutel gerade leer ist.

Außerdem finden wir es fragwürdig bzw. kritisch, dass unter dem Artikel zu uns die Werbung für ‚Lebe Gesund‘ platziert worden ist. Kleiner Exkurs: ‚Lebe Gesund‘ ist ein undurchsichtiges Unternehmensgeflecht, das der neuchristlichen Sekte ‚Universelles Leben‘, genauer gesagt, einigen ihrer Anführer*innen gehört, und höchst problematisch bis gefährlich ist. Die Produkte dieses Unternehmens sollten wie wir finden, weder gekauft noch beworben werden. Wir wollen also weder mit denen zu tun haben noch subtil durch den Ort der Setzung dieser Werbung in Verbindung dazu gebracht werden. Wir hoffen, die Werbebeauftragten des Ruprecht wussten einfach nicht, was sie da für eine Werbung platzieren, und möchten dazu anregen, das nicht zu wiederholen. Recherchiert werden kann dazu z.B. hier: https://www.michelrieth.de/zuende.htm

Und was ist jetzt also PYURE? Eine Bewegung, eine GbR oder was? Und worum geht es uns?

Vorab sei gesagt. Wir arbeiten an einem ausführlichen Selbstverständnis und einer Homepage. Bald gibt‘s das also alles schön ordentlich und hoffentlich verständlich präsentiert.
Wir selbst bezeichnen uns am liebsten als Kollektiv oder Crew. Weil‘s das als Rechtsform nicht gibt, haben wir die für uns am besten geeignete gesucht und das ist GbR. Wir wollen nicht nur zu dritt sein, sondern betrachten uns als Teil einer wachsenden Community, eines Netzwerkes von gleichgesinnten Menschen. Und weil wir uns für die Welt und uns Menschen wünschen, dass wir Menschen besser miteinander umzugehen lernen, wollen wir weitermachen, d.h. zukünftig noch mehr Menschen mit unseren Angeboten erreichen und inspirieren und dadurch sozio-kulturelle Verhältnisse in Bewegung bringen oder anders ausgedrückt: transformieren.

Im Zentrum unserer Aktivitäten stehen dabei weder die Revolution der Party-Kultur noch Achtsamkeitsexperimente und Visionen mit denen wir herumjonglieren, wie der Titel des Artikels suggeriert, sondern das Fördern eines liebevollen, achtsamen, bewussten, friedlichen und kooperativen menschlichen Miteinanders sowie nachhaltigen Umgangs mit der Welt, auch ihren nicht-menschlichen Bewohner*innen und ihren Ressourcen bzw. den Lebensgrundlagen der Menschheit und vieler anderer Lebewesen. In diesem Zusammenhang versuchen wir auf unseren Veranstaltungen auch eine neuartige Party- bzw. Feierkultur zu realisieren, z.B. ohne Alkohol und Drogen, tagsüber und in Kombination mit Ansätzen aus dem Bereich der „healing arts/heilende Künste“, z.B. Yoga, Massage, ehrliche Kommunikation und freiem Ausdruckstanz. Das ist aber eben nur ein Teil unserer Ausrichtung und nicht der zentrale, sonst hätten wir uns längst “Partykollektiv” getauft.

Zum Thema Spiritualität, unserem Verständnis von diesem Begriff und unserer Haltung zu diesem komplexen Thema wird es bald einen gesonderten Text von uns geben. Wir finden, dass das Thema ein wirklich wichtiges ist und dass es oft in verschiedenen Kontexten missbraucht wird, z.B. um Menschen, Gruppen oder Projekte zu diskreditieren oder auch um mit ‘spirituellen’ Ideen recht unhinterfragt persönliche Erlebnisse bis globale Geschehnisse gut zu reden bzw. zu beschönigen oder für bestimmte eigenen Erfahrungen und Handlungen Verantwortung von sich zu weisen (das sog. ‘spiritual bypassing’). Uuups… also bevor wir hier jetzt doch schon tiefer in’s Thema einsteigen, bleibt es bei dem Verweis, dass wir uns dazu ausführlicher äußern werden und auch einen Austausch dazu anregen wollen – und ja, natürlich weil wir uns mit unterschiedlichen spirituellen Ideen und Ansätzen beschäftigen und sich das auch in unseren Veranstaltungen widerspiegelt. Dazu stehen wir.

So und jetzt abschließend vielen Dank an all unsere Unterstützer*innen, an all die Leser*innen, an die Verfasser*innen und nochmals ein Dank für die Erfahrungen, die wir durch das Interview machen durften.

eure PYURE Crew
Aaron, Martin und Sema

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